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Wie gut ist CPM S35VN Stahl?

Als Crucible Industries seinen CPM S30V Stahl vorstellte verliebten sich Klingenschmiede und Messerliebhaber gleichermaßen in ihn. Die Qualität der Verschleißfestigkeit, Zähigkeit und Zerspanbarkeit des Stahls war einzigartig. Leute bezeichneten ihn “den besten Messerstahl, den es gibt”, und in der Tat, er könnte es gewesen sein. Bis Crucible Industries bekannt gab, dass sie eine neuere, verbesserte Version ihres hochwertigesten Messerstahl auf den Markt bringen würden: CPM S35VN. Im Vergleich zu seinem Vorgänger CPM S30V würde er eine höhere Zähigkeit und leichte Schärfbarkeit aufweisen. Bald wurde klar, dass CPM S35VN Stahl ein erstklassiger Stahl ist, der mit den Besten seiner Klasse konkurrieren kann.

Was ist CPM S35VN Stahl und wie unterscheidet er sich vom S30V?

CPM S35VN ist ein hochwertiger Edelstahl, der Teil der “SxxV-Serie” von Crucible Industries ist. “CPM” identifiziert den Stahl als durch den CPM-Prozess von Crucible Industries hergestellt und bietet ein besseres Ergebnis als herkömmliche Schmelzverfahren. Die Buchstaben “S”, “V” und “N” beziehen sich auf die Begriffe “rostfrei”, “Vanadium” und “Niob”. Die Zahl 35 dient aber lediglich zur Unterscheidung vom CPM S30V.

S35VN Stahl besteht aus 1,4 Prozent Kohlenstoff, 14 Prozent Chrom, 3 Prozent Vanadium, 2 Prozent Molybdän und 0,5 Prozent Niob. Kohlenstoff ist das wichtigste Element für die Härte von Stahl. Je höher der Kohlenstoffgehalt, desto härter wird der Stahl. In Kombination mit anderen Legierungen wie Chrom und Vanadium entstehen Karbide, die härter sind als der Kohlenstoff allein. Dr Kohlenstoffgehalt von CPM S35VN ist ähnlich dem des S30V, der 1,45 Prozent Kohlenstoff enthält.

Niob und Vanadium

Bei dem neueren Stahl wurde jedoch ein bisschen eines Hartmetalls namens Niob zu Lasten des Vanadiumgehalts des Stahls eingebracht. Eine innovative und entscheidende Änderung, die den S35VN Stahl von seinem Vorgänger und vielen anderen Stählen deutlich unterscheidet. Durch das Niob wird CPM S35VN Stahl 15 bis 20 Prozent härter als S30V.

Trotz der hohen Zähigkeit dieses Stahls, die in der Regel die Verschleißfestigkeit eines Stahls verringert, verliert S35VN nicht an seiner überlegenen Verschleiß- und Spanfestigkeit. In Kombination mit Kohlenstoff machen die Niobkarbide den Stahl effektiver gegen Verschleiß und Schneidenabsplitterungen, die stärker auf Chrom setzen, was bei vielen anderen Stählen der Fall ist. Die daraus resultierende Schnitthaltigkeit dieses Stahls ist bemerkenswert und gewährleistet, dass S35VN Stahl eine lange Lebensdauer hat.

Chrom und Molybdän

Vanadium ist ebenfalls unerlässlich, um die Zähigkeit von S35VN mit seiner Verschleißfestigkeit in Einklang zu bringen. Es erhöht nicht nur die Festigkeit und Zähigkeit, sondern fördert auch die Feinkornstruktur und bildet Hartkarbide die den Kantenhalt drastisch erhöhen. Molybdän ist ein weiterer wichtiger Bestandteil für die Verschleißfestigkeit dieses Stahls, denn je härter der Stahl ist, desto steifer wird er. Molybdän verbindet sich mit Kohlenstoff zu harten Karbiden die dieses Problem aus der Welt schaffen. Aus diesen Gründen bietet der S35VN-Stahl eine überlegene Schnitthaltigkeit gegenüber herkömmlichen Stählen mit hohem Chromanteil wie 440C und D2.

Obwohl das Karbid weniger chrombelastet ist, ist es nach wie vor entscheidend für die hohe Qualität des Stahls. Chrom ist ein kritischer Bestandteil, um die Fleckenbeständigkeit eines Stahls zu erhöhen, und obwohl es in Bezug auf die Verschleißfestigkeit nicht mit Niob und Vanadium gleichgesetzt werden kann, trägt Chrom immer noch signifikant dazu bei, die Verschleißfestigkeit eines Stahls zu erhöhen. Darum ist er immer noch genauso wichtig wie die anderen Bestandteile von S35VN.

Diese Zusammensetzung ist dafür verantwortlich, dass CPM S35VN Stahl ein unglaublich harter, hochwertiger Stahl ist der eine hervorragende Dimensionsstabilität, Schleifbarkeit und Zähigkeit bietet und die ihn zu einem erstklassigen Spitzenstahl machen.

Testen und Vergleichen

Charpy Kerbschlagbiegetest

Bruch- und Verformungstests werden mit den beiden Varianten des sogenannten Charpy Kerbschlagbiegeversuchs durchgeführt. Beim “V-Kerbentest” wird die Längszähigkeit gemessen – das Schlagpendel trifft in der Mitte des auf zwei Seiten gelagerten Prüfkörpers auf Höhe der Kerbe auf. Beim “C-Kerbentest” steht der Prüfkörper hochkant und das Pendel trifft oberhalb der Kerbe auf das freie Ende der Probe auf. Der C-Kerbentest misst den Querwiderstand.

Der Charpy V-Kerbentest misst das Drehmoment das erforderlich ist um Proben bestimmter Stähle bei bestimmten Temperaturen und vorgegebener Härte zu brechen. Bei einer Rockwell Härte von 58 benötigte man 43 Nm um die S35VN-Probe zu brechen. Das ist höher als alle anderen getesteten Stähle, einschließlich CPM S30V (bei 58 HRC), S60V (bei 56 HRC), S90V (bei 58HRC) und 154 (bei 60HRC), 420HC (bei 58 HRC) und M390 (bei 60 HRC).

Der C-Kerbentest zeigte, dass CPM-Stähle – sowohl S35VN als auch S30V – den anderen getesteten Messerstählen weit überlegen sind. S35VN hält einen Querwiderstand von bis zu 16 Nm, während S30V zwei Pfund bei 13,5 Nm liegt. Die anderen getesteten Stähle, Stähle der Güte 145CM und 440C, erreichten fast 5-mal weniger als S35VN, beide bei nur 3,8 Nm Widerstand. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die CPM-Stähle bei Arbeiten die eine Seitenbelastung erfordern wesentlich widerstandsfähiger gegen Absplitterung und Bruch sind. Dies macht diese Stähle besonders gut für den Einsatz in größeren Klingen.

CATRA Test

Die Ergebnisse eines CATRA-Tests (Cutlery Allied Trades Research Association) zur Schnitthaltigkeit haben diesen Stahl bei Rockwell Härten auf Augenhöhe mit anderen Premiumstählen wie Böhler M390 und N690, Uddenholm ELMAX und Peachey A2 eingeordnet. Beim CATRA TCC-Test (Total Cut Cards), bei dem die Anzahl von mit Silikon imprägnierten Karten gemessen wird, erzielte S35VN einen Wert von 707, der höher ist als bei vielen Stählen, einschließlich N690, A2 und 3V, allerdings gibt es auch Stähle die drüber liegen, wie ELMAX und M390.

Zusätzlich zu den Tests wurde der in verschiedenen Messern verwendete S35VN-Stahl mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Zumindest bestätigen die Testergebnisse und Auszeichnungen von S35VN und den damit ausgestatteten Messern, dass S35VN der Behaupteten Qualität entspricht, beziehungsweise geben den Behauptungen zumindest eine gewisse Gültigkeit.

Wie schlägt er sich im Vergleich zu anderen hochwertigen Messerstählen?

CPM 154 Stahl

CPM 154 Stahl ist ein Edelstahl mit hohem Chromanteil. Er zeichnet sich durch Härte, Korrosionsbeständigkeit und Schnitthaltigkeit gegenüber anderen Stählen wie 440C und D2 aus. Hergestellt mit dem CPM-Prozess von Crucible Industries, bietet er eine noch bessere Zähigkeit, Bearbeitbarkeit und Werkzeugleistung. Im Vergleich zu CPM S35VN Stahl sind die Ergebnisse jedoch weniger beeindruckend. S35VN ist ein fortschrittlicherer Stahl mit Vanadium- und Niobkarbiden, um dessen Zähigkeit und Verschleißfestigkeit zu verbessern. Der einfachere Stahl 154 besteht nur aus Kohlenstoff, Molybdän und Chrom und kann daher nicht in gleichem Maße die Zähigkeit und Verschleißfestigkeit dieser innovativen Hartmetalle bieten. Aus diesen Gründen sind Messer aus CPM 154 oder 154 CM Stahl nicht so teuer wie solche aus CPM S35VN Stahl.

ELMAX Stahl

In letzter Zeit hat es viel Hype um ELMAX-Stahl gegeben. Die Behauptungen, es handele sich um einen überlegenen “Superstahl” sind mehr als wahr, denn ELMAX-Stahl überzeugt nach wie vor alle die ihn verwenden. Viele dessen Anwender werden sagen, dass ELMAX dem S35VN weit überlegen ist. ELMAX hat eine ausgeklügelte Zusammensetzung, die Kohlenstoff, Chrom, Mangan, Molybdän, Silizium und Vanadium enthält. Diese Zusammensetzung ermöglicht eine sehr hohe Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit, Härte und eine bemerkenswerte Dimensionsstabilität.

ELMAX enthält kein Niob, dem Schlüsselbestandteil von S35VN, zeigt aber eine dem S35VN überlegene Zuverlässigkeit bei einem hohen HRC-Wert, sowie eine höhere Korrosionsbeständigkeit bei gleichbleibender Zähigkeit. ELMAX wird mit einem Partikel-Metallurgie-Prozess hergestellt, ähnlich dem CPM-Prozess von Crucible Industries. Viele werden argumentieren, dass CPM die besseren Ergebnisse liefert und den Stählen die eine Schneide mit verbesserter Verschleißfestigkeit und Schleifbarkeit verleiht. Pulvermetallurgie und andere konventionelle Stahlherstellungsverfahren neigen zur Entmischung bei denen ungleichmäßige Cluster der Karbide als Überreste des Gefüges im Gusszustand bestehen bleiben. Diese Trennung der Legierungen kann sich negativ auf die Produktion und Leistung des Stahls auswirken. Der CPM-Prozess schafft jedoch eine gleichmäßige Verteilung der Hartmetallcluster und beseitigt die Gefahr der Entmischung vollständig.

Messer, die diese beiden Stähle enthalten, sind bei weitem nicht preiswert, mit Preisen für Klappmesser von 130-200 EUR und mehr.

M390 Stahl

Der M390 von Böhler unterscheidet sich nicht sehr von ELMAX. Er ist extrem korrosionsbeständig, sehr feinkörnig und sehr rein. Wie ELMAX ist er genauso zäh wie, wenn nicht sogar zäher als S35VN und kann eine extrem starke und scharfe Schneide halten. Im CATRA TCC-Testerzielte M390 mit 959 Punkten einen höheren Wert als S35VN mit 707 Punkten. Im C-Kerb-Test von Charpy widerstand S35VN allerdings mit beeindruckenden bis zu 43,3 Nm (M390: 29,8 Nm). Darüber hinaus können Schweißer feststellen, dass M390 wesentlich härter zu temperieren ist als S35VN, was die Zerspanbarkeit beeinträchtigen kann.

M390 Stahl ist auch etwas teurer als S35VN, wobei der Preis für ein durchschnittliches Klappmesser bei um die 200 EUR liegt, während man ein gutes S35VN Klappmesser schon für “nur” 130 EUR zu haben ist.

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Fazit

Viele High-End-Messerhersteller verwenden CPM-S35VN. Die Liste umfasst Legenden wie Benchmade, Chris Reeve Knives, Spyderco, ProTech Knives und Boker, um nur einige zu nennen. Ob man nun ein Messer mit CPM S35VN Stahl kaufen oder herstellen möchte, es ist ganz offensichtlich, dass dieser hochwertige Stahl von höchster Qualität ist. Seine Zähigkeit, Verschleißfestigkeit und Bearbeitbarkeit wird nur von wenigen übertroffen und dann nicht ohne Nachteile. Damit bietet er sowohl dem Messerhersteller als auch dem Messeranwender ein angenehmes und herausragendes Erlebnis.

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