CPM 154 Messerstahl – was kann er?

154 CM Edelstahl ist seit langem ein begehrtes Metall für Messerhersteller. Die Zugabe von Molybdän zu 440C Stahl brachte CPM 154 Messerstahl eine weitaus bessere Schnitthaltigkeit bei gleichbleibender Korrosionsbeständigkeit. CPM 154 und sein Zwilling, ATS-34, sind jedoch nicht ohne spezifische Nachteile. Der Messermacher John Barlow erklärte gegenüber dem Blade Magazine warum er für seine Messer auf CPM 154 umstieg.

“Ich habe vor Ewigkeiten mit 440C-Edelstahl angefangen. Vor fast 20 Jahren habe ich das aufgegeben und bin zu ATS-34 Edelstahl gewechselt was ich dann ebenfalls jahrelang verwendet habe.”

Obwohl ATS-34 als hochwertiger Edelstahl für Messerklingen gilt, bemerkte John etwas, als er seine Klingen unter dem Mikroskop betrachtete.

“Meine Kunden haben es nie bemerkt, aber es hat mich gestört”, fuhr er fort.

“Ich experimentierte mit verschiedenen Oberflächenveredelungen – ich kaufte über normale Kanäle von mehreren Lieferanten -, es entstand aber immer so ein kleiner Bereich der aussah, als hätte er Grübchen bzw. so eine Art Abschürfung, den ich nicht weg bekam.”

Strukturell war das Metall vollkommen in Ordnung, aber pingelige Messerhersteller, die 154CM und ATS-34 jahrzehntelang benutzt hatten fingen an dasselbe zu bemerken. John entschied sich für den Einsatz von CPM 154 und schaute nie zurück.

“Sie sind im Stammbaum des Stahl eng verwandt”, sagte er.

Im CPM 154 Messerstahl erkannte er ein Material das eine einwandfreie Verarbeitung ermöglichte. Mit dem pulvermetallurgischen Verfahren und der damit verbundenen gleichmäßigen Verteilung der Hartmetalle wurde das Problem der “Schürfwunden” beseitigt.

Übersicht CPM 154 Messerstahl

Die Crucible Particle Metallurgy (CPM) Stähle werden gebildet, indem das geschmolzene Metall durch eine kleine Düse gegossen wird, wo Hochdruckgas den Flüssigkeitsstrom in winzige Tröpfchen zerstäubt. Diese Tröpfchen werden gekühlt, zu Pulver verfestigt, anschließend isostatisch heiß gepresst (HIP) wodurch das Pulver gebunden und verdichtet wird. Das Ergebnis ist eine homogenere Mischung aus extrem feinen Partikeln. Wenn dies auf sehr hohen Niveau geschieht kann man nicht einmal mehr die Maserung des Stahls sehen. Dies hilft auch beim Schleifen und Polieren und bietet gleichzeitig eine bessere Korrosionsbeständigkeit, eine bessere Verschleißfestigkeit, eine höhere Zähigkeit sowie eine bessere Warmhärte als 440C.

Die elementare Zusammensetzung von CPM 154 Messerstahl ist wie folgt:

  • Eisen – 79,2%
  • Kohlenstoff – 1,06%
  • Chrom – 13,47%
  • Mangan – 0,51%
  • Molybdän – 4,01%
  • Silkon – 0,84%
  • Phosphor – 0,02%
  • Schwefel – 0,02%
  • Nickel – 0,16%
  • Kupfer – 0,09%

Vergleich CPM 154 – 154CM

Beide Stähle haben die gleichen Eigenschaften, allerdings ist CPM 154 die Partikelmetallurgie Version. 154CM wurde in den 1970er Jahren erstmals für Düsenturbinenschaufeln entwickelt, ist also ein recht hochwertiger Stahl. Das “C” in CPM steht für den Namen des Herstellers (Crucible Industries), CPM 154 ist letztlich nur eine neu aufgelegte Version von 154CM, allerdings in einer weiterentwickelten (manche würden sagen “saubereren”) Version des Stahls.

CPM 154 ist ein martensitischer Edelstahl, der im Vergleich zu austenitischen Stählen weniger Chrom und sehr wenig Nickel aufweist. Das macht ihn auch magnetisch. Martensitische Stähle haben einen höheren Kohlenstoffgehalt, was die Bildung von Martensit ermöglicht, einer extrem harten Struktur, die sie ideal für die Messerherstellung macht. CPM 154 strebt eine Rockwell C-Härte von 58 – 60 Rc an. Die Zusammensetzung ist genau die gleiche wie bei 154CM, der einzige Unterschied ist der CPM-Formungsprozess.

CPM 154 kann leichter auf Hochglanz poliert werden und ist leichter zu schleifen als CPM S30V (mehr dazu in diesem Artikel). Aber CPM-Prozess ist 154CM noch in einer weiteren Disziplin einen Schritt voraus: pulverisierten Stähle können mit maximaler Effektivität wärmebehandelt werden. Im Vergleich zu 440C, dem Standard, an dem die meisten rostfreien Messerstähle gemessen werden, weist CPM 154 eine bessere Schnitthaltigkeit, Spanbeständigkeit sowie Dimensionsstabilität auf. Die allgemeinen Bearbeitungsparameter sind ähnlich dem 154 CM, ATS-34 (Hitachi) und 440C.

Messer aus CPM 154 Messerstahl

Viele Messerhersteller verwenden CPM 154 für ihre Premiummesser. Marken wie Kershaw, Hogue und Bark River nutzen ihn sehr intensiv. Aus der Menge exzellenter Marken und Messer einen klaren Favoriten herauszupicken, ist keine leichte Aufgabe. Das Patriot CPM 154 mit feststehender Klinge des bulgarischen Messerherstellers Manly ist so ein Favorit. Ein kleines, simples, ja puristisches Messer, das nichts weiter macht als schneiden. 220 mm lang mit einer Klingenlänge von 94mm und einem Gewicht von 126 g erfüllt es seine Aufgabe unauffällig und ohne fehleranfällige Mechanik.

Patriot CPM 154 von Manly

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Die Größe des Messers ist perfekt für den allgemeinen Gebrauch. Wer auf dem Land lebt oder auf eine Jagd- oder Angeltour geht findet in ihm einen zuverlässigen Begleiter. Mit Sicherheit würde es sich auch auf einem Campingplatz gut machen und es ist perfekt für die Werkzeugkiste. Für Ultraleichttouren ist es vermutlich zu schwer und als “Immer-dabei” Messer im städtischen Umfeld ist es zu groß.

Klinge

Bei der Klinge handelt es sich einfache Drop Point Klinge mit vollem Flachschliff. Es gibt keinen Swedge. Die Spitze ist fein, ohne empfindlich zu sein. Die Schneide ist gleichmäßig geschliffen und das gesamte Messer mit einer Art Satinierung versehen.

Das vielleicht bemerkenswerteste Merkmal der Klinge ist jedoch, wie sie aus 4 mm dickem Schaft geschliffen wurde. Dennoch ist das Patriot hinter der Schneide dünn geschliffen und schneidet sauber. Abschließend sei gesagt, dass das einfache Design der festen Klinge die Reinigung des Messers wesentlich einfacher macht als bei einem Klappmesser.

Fazit

Heutzutage hergestelle Messer sind wahre technologische Wunder im Vergleich zu ihren Vorfahren. CPM 154 ist ein solcher “Wunderwerkstoff”, da er vielen der heute gebräuchlichen Stählen weit überlegen ist. Er ist ein Alleskönner – leicht zu bearbeiten, behält er aber trotzdem seine herausragenden Eigenschaften im Hinblick auf Spanfestigkeit, Schnitthaltigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Schärfbarkeit. Die Hersteller, die CPM 154 verwenden, haben in diesem Stahl einen nahezu perfekten Werkstoff für die Herstellung großartiger Klingen anerkannt. Er “tickt alle Boxen”, wie es so schön heißt, und erfreut damit Anwender und Sammler Verbraucher und Sammler gleichermaßen. Die Erfolgsgeschichte beginnt mit einem sehr guten Stahl, 154CM, der in Sachen Verarbeitbarkeit und Anwenderfreundlichkeit auf die nächste Stufe gehoben wird. Sicher ist, dass CPM 154 für eine sehr lange Zeit in Messern für jeglicher Anwendung erhältlich sein wird.

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